Neues Dokument 1
Bitte habt ein wenig Nachsicht mit mir, es ist mein erstes Mal auf dieser Bühne.
Und wenn heute für euch auch ein erstes Mal ist, dann sind diese Gedanken ganz besonders für euch.
Denn hier sind bestimmt einige, die waren eben in der Mitte der Menschenmenge, damit die Gegenaktionen vom rechten Rand der Straße sie nicht sehen können, oder ganz außen, absichtlich zufällig auf dem Weg zum Einkaufen in diese Richtung.
Das ist mir alles nicht fremd, und bestimmt vielen hier nicht, das ist mir alles noch wie gestern und ganz nah am Herzen.
364 Tage im Jahr “was werden die anderen denken, wenn sie merken”, denn wir suchen ja nach einem Platz in der Schnittmenge, der Schnittmenge aus “leben” und “am Leben gelassen werden”.
Und dann ist man hier, an dem einen Tag, dem halben Tag, der anders sein soll,
und man kennt niemanden,
und die anderen kennen sich irgendwie alle.
Und scheinen zu wissen, wer sie sind und wie sie sein wollen, in Worten und Begriffen, die man vielleicht noch nie gehört hat.
Und vielleicht denkt man, ich weiß das alles nicht.
Vielleicht gehöre ich nicht hierher.
“Was werden die anderen denken, wenn sie merken”, dass ich so komme, wie ich gerade bin, so, wie ich mich fühle?
Es gibt Fragen, die machen schwach und ängstlich, wenn man sie immer wieder in den eigenen Kopf hineinstellt.
Vielleicht macht die Antwort uns stark und mutig, wenn wir sie von außen hören.
Denn ihr müsst euch jetzt nicht selbst fragen, wir können euch sagen, was wir denken:
Wir denken: Herzlich willkommen, schön das ihr da seid!
(Ich habe im Vorfeld nicht alle hier einzeln gefragt, aber das denken wir, oder?)
Schön, dass ihr die Zeit gefunden habt, schön, dass ihr den Mut gefunden habt, – und ihr habt mehr Mut da unten als ich hier oben –
schön, dass wir hier heute zusammen unsere Vielfalt zeigen, unseren Mut feiern und für unsere Rechte demonstrieren.
Danke, dass ihr da seid!